Wie kontaktlos zahlen zum Standard wird

Finanzkarten mit Kontaktlos-Chip liegen im Trend, Mobile Payment (NFC) stößt dagegen im Moment noch auf Skepsis.

Auf Bargeld haften häufig gefährliche Bakterien und Viren. Das ist wissenschaftlich längst erwiesen. So kam zum Beispiel bereits 2014 eine Überblicksstudie der Universität Marseille zu der Erkenntnis, dass Münzen und Scheine eine ganze Reihe von Krankheitserregern transportieren können, darunter Salmonellen, vor allem aber auch Grippe-Viren.1 Auch wenn Spezialisten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) recht schnell nach Ausbruch der Corona-Pandemie in einem Aufsatz betonten, es gebe nur eine sehr geringe Gefahr, sich über Bargeld mit diesem Virus zu infizieren, waren entsprechende Sorgen der Verbraucher dennoch greifbar und vor allem auch messbar.2

Gemäß der internationalen Studie „Back to Business“, die das Kreditkartenunternehmen Visa im August 2020 erstellt hat, haben fast acht von zehn befragte Verbrauchern angegeben, im Laufe der Pandemie ihre Zahlungsmethoden geändert zu haben. Befragt worden waren dafür Verbraucher in den USA, in Brasilien, Kanada, Deutschland, Hong Kong, Irland, Singapur und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dabei ging es nicht nur um die Sorgen, sich am Bargeld zu infizieren, sondern auch andere Oberfläche, etwa von Kartenterminals oder Verkaufstresen, lösten Ängste aus. Jedenfalls gaben zwei von drei befragten Verbrauchern bei dieser Studie an, sie hätten besondere Maßnahmen ergriffen, um selbst ihre Finanzkarten sauber zu halten; ein Drittel griff dafür sogar zu Desinfektionsmitteln.3

Kein Einkauf mehr ohne kontaktlose Zahlungsoptionen

Wenig verwunderlich also, dass der Visa-Studie zufolge das kontaktlose Bezahlen im Zuge von Corona einen enormen Aufwind bekommen hat. 65 Prozent dieser Verbraucher würden von ihrem Stammgeschäft in ein anderes Geschäft wechseln, wenn man ihnen nur dort kontaktlose Zahlungsoptionen böte, vorausgesetzt natürlich alle anderen Parameter wie Preise, Warenangebot etc. blieben gleich. Für fast die Hälfte der Verbraucher gehörte gemäß der Visa-Umfrage die Verwendung kontaktloser Zahlungsmethoden zu den wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen, die Geschäften überhaupt umsetzen können. Und ebenso viele sagten, sie würden nicht mehr in einem Geschäft einkaufen, das ausschließlich kontaktbehaftete Zahlungsmethoden anbietet.

Über das tatsächlich präferierte Medium für das kontaktlose Bezahlen liegen derzeit allerdings noch keine gesicherten Zahlen vor. Im Moment liegen Kreditkarten bzw. Debitkarten mit dem entsprechenden Kontaktlos-Chip in der Gunst der Verbraucher noch ganz vorne. Das vor vier Jahren gestartete Mobile Payment (NFC) mit Hilfe des Smartphones verbreitet sich nicht ganz so schnell, wobei es regionale Unterschiede gibt. Eine Umfrage des US-Beratungsunternehmen Auriemma Group, das auf den Finanzsektor spezialisiert ist, kam schon 2019 zu dem Ergebnis: Auch mehrere Jahre nach Einführung von Mobile Payment nutzt nur ein Drittel der Verbraucher, die technisch dazu in der Lage wären, wirklich diese Zahlungsmethode. Bei kontaktlosen Kreditkarten liegt dieser Wert etwa doppelt so hoch: 60 Prozent der Verbraucher, die eine entsprechende Kreditkarte haben, nutzen auch die Möglichkeit, mit dieser Karte kontaktlos zu bezahlen.4

Starke Unsicherheit bei Mobile Payment

Was sind die Gründe für diese augenblickliche auffällige Diskrepanz? Eine Studie von Vibes, einer US-Plattform für Kundenbindung über mobile Geldbörsen (mobile wallets), brachte Mitte 2019 etwas Licht ins Dunkle. Auf die Frage, was sie davon abhalten könnte, ihr Smartphone zum Bezahlen zu benutzen, nannten mehr als sechs von zehn Befragten: Sicherheitsbedenken.5 „Das ist durchaus verständlich. Denn die Sicherheitslücken von Smartphones werden immer wieder stark thematisiert. Verbraucher sind deshalb natürlich verunsichert“, erläutert ein Experte von Atlantic Zeiser, einem technologieführenden Spezialisten für Systeme zum Druck und zur Personalisierung von flachen Finanzkarten, Ausweisen und Geschenkkarten. Weitere Akzeptanzprobleme des Mobile Payments resultieren gemäß der Studie von Vibes aber auch daraus, dass viele Verbraucher nicht wissen, wie Mobile Payment genau funktioniert und wo es akzeptiert wird. „Mit einer Kreditkarte haben Verbraucher dagegen meistens jahrzehntelange gute Erfahrung. Die Umstellung von kontaktbehaftetem hin zu kontaktlosem Bezahlen ist damit für sie nur ein ganz kleiner Schritt, der niemanden überfordert“, so der Experte von Atlantic Zeiser.

Vielleicht ist das aber auch nur eine Frage des Alters. Wer bereits seit Jahrzehnten mit einer physischen Kreditkarte bezahlt, sorgt sich vielleicht darüber, an einer Kasse mit einer langen Schlange zu stehen, während der Bezahlvorgang per Smartphone nicht funktioniert, zum Beispiel weil sich Face-ID wegen der Maske nicht als Entsperrmethode verwenden lässt. Denn dann bleibt doch oft nur die Alternative, vor den genervten anderen wartenden Kunden zeitaufwändig nach einer physischen Karte zu suchen. „Sollten dagegen Probleme bei einer Karte mit dem kontaktlosen Bezahlen auftreten, besteht ja immer noch die Möglichkeit, sie einfach schnell in den Schlitz des Terminals zu stecken“, sagt der Experte von Atlantic Zeiser. „Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach flachen Finanzkarten mit Kontaktlos-Chips stark steigen wird. Darauf, dass Personalisierungsdienstleister die aus Kartenaustausch oder Neuausstellungen resultierenden Spitzenbelastungen bewältigen müssen, sind unsere modularen Systeme bereits bestens vorbereitet und damit zukunftssicher.“

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Nadine Kürner